
Selbsthilfegruppen für psychisch und psychosomatisch Kranke – Versorgungsangebot, Inanspruchnahme und Wirksamkeit
Dr. Friedhelm Meyer, Zentrum für psychosomatische Medizin der Universität GießenZentrale Ergebnisse eines dreijährigen Projektes (Mitarbeiter: A. Höflich, F. Meyer; Projektleitung: J. Matzat, M.E. Beutel), gefördert durch den BKK Bundesverband:
Versorgungsangebot:
In Deutschland existieren etwa 5.000 Selbsthilfegruppen für Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Beschwerden (zum Beispiel Ängste Depressionen) oder in psychosozial belastenden Lebenssituationen (zum Beispiel Angehörige psychisch Kranker). Diese Gruppen bestehen häufig längere Zeit (46,8 Prozent länger als drei Jahre) und treffen sich meist wöchentlich bis 14-tägig (63,8 Prozent). Die regionalen Kontaktstellen können in den allermeisten Fällen verschiedene Unterstützungsleistungen für interessierte Betroffene und diese Gruppen anbieten.
Inanspruchnahme:
Selbsthilfegruppen werden von etwa 10 Prozent der befragten Patient/innen psychosomatischer Kliniken in Anspruch genommen. Ein großer Teil der Personen (48 Prozent) bleibt aber nach kurzer Zeit (bis 3 Monate) der Selbsthilfegruppe wieder fern, im Sinne eines Drop Out wohl vermutlich meist aufgrund von Unzufriedenheit oder ähnliches. Fast alle Mitglieder von Selbsthilfegruppen befanden sich zeitversetzt oder parallel auch in psychotherapeutischer Behandlung.
Im Rahmen des Projektes wurden zwei Informationsseminare – eines für Patienten und eines für Mitarbeiter (Ärzte, Psychologen, Pflegeteam etc.) – entwickelt, in den kooperierenden Kliniken* durchgeführt und als Leitfaden veröffentlicht (unter anderem erhältlich über die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen der DAG SHG in Gießen). Obwohl sich die Seminarteilnehmer positiv über die Seminare äußerten, zeigte sich keine veränderte Selbsthilfegruppen-Teilnahme zum Katamnesezeitpunkt (ein Jahr nach Ende der stationären psychosomatischen Behandlung).
Wirksamkeit:
Die Selbsthilfegruppen Teilnehmer beschreiben sich in der Mehrzahl mit ihrer Teilnahme zufrieden und geben eine ähnlich große subjektive Verbesserung ihres Befindens an wie Psychotherapie-Teilnehmer. In den eingesetzten Fragebogenverfahren (zum Beispiel zu Symptomen oder sozialen Beziehungen) zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht.
Weitere Informationen zu der Studie finden Sie im Internet unter www.dag-shg.de
* Reha-Zentrum Bad Kissingen, Klinik Rhön, Deutsche Rentenversicherung Bund (Dr. W. Franke); Psychosomatische Klinik Bad Neustadt / Saale Bereich Rehabilitation (Dr. R.J. Knickenberg) und Bereich Krankenhaus (Dr. F. Bleichner); Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Heilig Geist Hospital, Frankfurt/ Main (Dr. W. Merkle); Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie J-L-U Gießen (Prof. Dr. Ch. Reimer); Vogelsbergklinik Grebenhain (Chefärztin A. Dippel)
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Letzte Änderung: 08.09.2010


