
Vermittlung als tragendes Element für Gesundheitsförderung und Empowerment – Selbsthilfeunterstützung im Setting
Prof. Dr. Raimund Geene, Fachhochschule Magdeburg, gab im ersten Fachvortrag der Tagung zunächst einen geschichtlichen Überblick über die unterschiedlichen Ansätze, mit denen Gesundheit seit 1860 (Beispiel: Kanalisierung Londons) staatlich gefördert wurde. Als entscheidend für das Gelingen gesundheitsfördernder Maßnahmen nannte Geene die nachhaltige Unterstützung durch die Politik.Für die Zukunft der Gesundheitsförderung, aber auch der Selbsthilfe müssten vor allem vier Stichworte Beachtung finden:
1. Diversity Management, das heißt die Beachtung und Wertschätzung der Unterschiede, die Menschen auszeichnen
2. die Lebensrealitäten der Menschen als Basis für Konzepte und Aktivitäten
3. das Prinzip „Bewegung” als gemeinsames Ziel, dies bedeute auch Partizipation
4. Einbezug des gesellschaftlichen Wandels.
Die Selbsthilfe sah Geene in drei Rollen:
1. als „Gegenmacht” zu etablierten Strukturen (Stichworte: Alternativ-Kultur, Vierte Säule der gesundheitlichen und sozialen Versorgung). Diese Rolle sei aber durchaus ambivalent: kostenlose Dienstleistungen der Selbsthilfe seien gern gesehen, Mitsprache aber nur begrenzt erwünscht.
2. als Vermittlerin zwischen Ratsuchenden, Expertinnen und Experten, Generationen, Kulturen. Wie soll die Selbsthilfe mit dem Gegensatz zu den ständig steigenden Anforderungen und den demgegenüber ungesicherten Rahmenbedingungen umgehen?
3. unter dem Stichwort „Ort des Dialogs” verglich der Referent die Kommunikation unter den Generationen und die unter den Kulturen, wie sie in Großbritannien in so genannten „family centers” gepflegt werden, mit der deutschen Selbsthilfe.
Geene fragte aber auch: Was sind weitere „Aufgaben” der Selbsthilfe? Wie oder auf welche Weise kann und soll Selbsthilfe professionell sein? Lässt sie die wirklich bedürftigen Gruppen außer Acht?
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Letzte Änderung: 10.09.2010


